Nov 04 2007

Thor Heyerdahl – Reisebericht – die Expedition

Autor: . Abgelegt unter Dunkle Horizonte

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Tag 4 | 11.10.2007
Nachdem wir wie bereits beschrieben unser Schlauchboot -es trug den offiziellen Namen „Beagle„- mit unserer Ausrüstung beladen hatten, sollte es nach einer kurzen Ansprache des Kapitäns direkt losgehen. Und so war es auch: rein ins Boot und ran an die Paddel. Um richtig in Fahrt zu kommen sollte ich bis zum ersten Ufer das Kommando übernehmen, und so paddelten wir unter fröhlichem „Eins-Zwei—Eins-Zwei—Eins-Zwei“ auf die nächste Küste zu. Und hier war bereits ein böses Omen zu erkennen, dass uns noch zum Verhängnis werden sollte: Der Wind trieb uns auf dem kurzen Stück zur nächsten Insel bereits ein gutes Stück ab. Aber wir erreichten als erstes Boot wieder Land unter der Füßen, auf dem wir uns einen Mast und ein Rigg bauen wollten.

An Land hatten wir Glück und fanden eine ganze Menge geschlagenes Holz und Bäume. Da wir aber nur zwei schweizer Messer mit MiniSäge zur Verfügung hatten, stellte sich der Bau als recht mühsam heraus. Aber trotzdem konnten wir am späten Nachmittag unser Segel das erste mal zur Probe setzen.

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Nachdem wir noch eine kurze Verschnaufpause einlegten stachen wir dann das erste Mal wirklich in See. Die Thor Heyerdahl war bereits ausgelaufen und nicht mehr in Sicht. Somit waren wir wirklich auf uns allein gestellt. Bei der Überfahrt lief anfänglich alles sehr gut. Der Wind beschleunigte uns zusehends und wir machten gute Fahrt. Doch dann nahm der Seegang und der Wind zu. Obwohl wir versuchten uns mit aller Kraft auf dem richtigen Kurs zu halten mussten wir schnell feststellen das unser Schlauchboot ein Spielball von Wellen und Wind wurde. Und nur kräftiges Paddeln konnte uns davor bewahren auf verschieden SeeTonnen aufzulaufen. Der Wellengang erreichte dann irgendwann etwa 2 Meter (Tal zu Kamm) und unser Boot wurde für meine Verhältnisse schon ordentlich durchgeschüttelt. Außerdem war an unseren ursprünglichen Kurs nicht mehr zu denken und wir wurden direkt auf eine Steilküste getrieben.

Nachdem wir unter einer wirkliche Kraftanstrengung -Felsen, Fischernetzen & Co ausweichen- auf den Strand knallten war der Übernachtungsort recht klar: Die Steilküste von Börnö! Johanna und ich machten uns zur Erkundung der Umgebung auf während der Rest der Wache das Gepäck aus dem Boot holte um dieses besser auf das Ufer zu ziehen. Nach einer guten halben Stunde mussten wir aber leider mit der ernüchternden Nachricht zurückkehren. Es gab weit und breit keinen wirklich geeigneten Ort um unsere Plane für die Nacht aufzuspannen. Und neben dem stärker werdenden Wind kündigte sich auch noch Regen für die Nacht an. Die einzig sinnvolle Möglichkeit bot uns eine kleine Baumgruppe kurz hinter der Küste. Leider war der Windschutz hier nur begrenzt. Aber dafür war ein Schilffeld in der Nähe, das sich noch als sehr nützlich erweisen sollte. Auf jeden Fall schleppten wir das Gepäck zu unserer Lagerstätte und trugen das Boot die Küste hinauf um es für die Nacht zu sichern. Dann war Teamwork gefragt: Ein Teil der Truppe polsterte die Lagerstätte mit trockenen Schilf aus, ein Teil baute unser „Küche“ auf um uns ein Mahl vor Einbruch der Dunkelheit zu sichern und der Rest versuchte die mitgeführten Utensilien zu einem möglichst stabilen Zelt zusammen zu fügen.

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Und dann sollte für die meisten von uns das Abenteuer erst richtig beginnen, denn die Nacht war von kleineren und größeren Katastrophen durchzogen. Als erstes explodierte uns fast eine GasKartusche. Beim Wechsel verkantete sich anscheinend das Gewinde und plötzlich liefen größere Mengen Flüssiggas aus – direkt neben dem zweiten, brennenden Kocher! Also die erste Schrecksekunde. Aber unser Küchenteam schaffte es dann doch noch ein beachtliches Mal aus Nudeln und TomatenSauce zu erstellen. Und dieses Essen schmeckte den meisten besser, als jemals Nudeln mit Sauce geschmeckt hatten. Als es dann langsam dunkel wurde, war es Zeit schlafen zu gehen. Leider reichte der Platz nicht aus. Bei der Größe der Plane reichte der Platz leider nicht zum entspannten Schlafen. Da half nur noch „LöffelchenStellung“ für Alle und alle 30min wurde gedreht. Doch auch damit reichte der Platz nicht und Cora musste im Sitzen nächtigen. Und dann kam der Regen… Ansich kein Problem, wäre die Plane nicht schon völlig verrottet gewesen und so dicht wie ein TeeSieb. Somit bildeten sich recht schnell die ersten Wassertrofen, die kurze Zeit später als Sturzbach an der Innenseite der Plane herunter und in meinen Schlafsack liefen. Auf der anderen Seite wurde Kristina ungefähr genauso nass, da bei ihr einfach die Plane zu Ende war. Aber eine Expedition wir erst mit nassem Schlafsack so richtig schön! Und natürlich sollte die NotOperation nicht vergessen sein: Plötzlich ertönte von Yvonne der Schrei: „Ich hab ein Tier im Ohr! Ich kann es krabbeln hören!“ Glücklicherweise hatte Johanna ihr halbes Badezimmer, und somit auch Q-Tipps dabei. Somit konnte die Operation erfolgreich absolviert -der Käfer aber nur noch tot geborgen- werden. Diese Nacht wurde durchschnittlich circa eine Stunde geschlafen , wobei Yvonne und Johanna diesen Schnitt noch ordentlich erhöht habe; die Schlafmützen!. Und zur Krönung frischte der Wind Nachts auf Stärke 7 auf und riss zwischenzeitlich die Plane weg. Aber das war nur noch eine Randkatastrophe!

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Tag 5 | 12.10.2007
Und auch an diesem Tag ging die Sonne auf! Auch wenn der Eine oder Andere das Gegenteil erwartet hatte. Auf jeden Fall gab es erstmal Kaffee und warmen Kakao zum Frühstück und das steigerte die Laune enorm. Und dann wurde es Zeit das nächste Abenteuer beginnen zu lassen: Operation Klappspaten!

Wie bereits berichtet befand sich unser Nachtlager neben einem Feld aus mannshohem Schilf. Der ideale Ort um mal zehn Minuten zu verschwinden! Als ich aber Klappspaten und Klopapier einforderte schauten mich doch einige eher verwundert an. Nach kurzen Gesprächen war auch die Antwort auf die Fragen der Anwesenden recht klar: „Ja, ich werde jetzt im Schilf kacken gehen, weil weit und breit keine Zivilisation zu sehen ist. Und ja, ich kann auch für euch ein Loch ausheben!“. Gesagt, getan! Aber ich erspar mir hier mal die Details. Nur zwei Dinge sollen gesagt sein: 1) Diese Erfahrung war für viele neu und nach der Enge des Schiffes befreiend. 2) Grabe niemals da wo ein Stöckchen mit einer Klopapierfahne steht!

Auf jeden Fall war die Stimmung gut, als wir am Vormittag wieder in See stachen. Der Wind hatte sich wieder gelegt, die Sonne strahlte vom blauen Himmel und wir schaften gemessene 4 Knoten mit unserem Boot (wir hatten ein selbstgebautes Log dabei). Und dieser Tag auf See ließ sich wirklich gut an. Wir waren auf Kurs und holten verlorene Strecke auf. Bis zum Moment als ich meinen PanikMoment der Reise hatte. Dieser Moment bahnte sich an, als ein Hochseeschlepper in der Ferne gesichtet wurde. Dieses Schiff machte ordentlich Fahrt und schob eine gewaltige Bugwelle vor sich her – und das direkt auf uns zu. Wir waren recht mittig im Fahrwasser und der Schlepper machte keine Anstalten auszuweichen oder die Geschwindigkeit zu verändern. Unsere Wache paddelte wie die Berserker! Und trotzdem hielt das Schiff direkt auf uns zu! Keine Reaktion! Nichts! Und es war immer noch keine Bordwand des Schiffes zu sehen (sieht man eine Bordwand ist der Winkel in der Regel groß genug um nicht mehr kollidieren zu können)! Mir ging da der Arsch echt auf Grundeis. Völlig erschöpft rauschte dieser Schlepper dann etwa 100 Meter an uns vorbei. Gefühlt waren das aber maximal 2 Meter! Danach waren wir alle wirklich platt. Und zusätzlich hatte der auffrischende Wind gedreht und wir waren ein gutes Stück vom Kurs ab! Also hervorragende Grundvoraussetzungen um weiter zu machen!

Mit der gleichen Problematik wie am Vortag drückte uns der gedrehte Wind nicht um die nächste Insel herum, sondern direkt darauf zu. Auch diesmal schlugen unsere entkräfteten Versuche fehl gegen den Wind anzukämpfen und wir entschlossen uns dem Wind zu folgen. Somit erreichten wir gegen Nachmittag den Strand von Avernakö. Und das war wirklich ein Traumstrand! Weiß mit davor liegender flacher Bucht/Lagune. Wir trieben nach einem letzen Kampf, um nicht in die Fischernetze zu knallen, auf den weißen Strand. Und auf dieser Insel sollte unser Nachtlager entstehen. In der Nähe gab es einen Bauernhof bei dem wir freundlich und auf „Dänglish“ (Mischung aus Dänisch und Englisch) nachfragten, ob wir am Strand unser Lager für die Nacht aufschlagen dürften. In typischer dänischer Feundlichkeit bot man uns zusätzlich noch sämtliche Hilfe an. Wir lehnten dankend ab und freuten uns über die Zelterlaubnis. Und dieses Mal hatten wir Glück, denn genau hinter dem Strand gab es einen kleinen ObstHain. Dieser eignete sich hervorragend um in dieser Nacht ein ordentliches Zelt abzuspannen. Und auch hier war wieder Teamwork angesagt: Erkundung, Kochen und Lagerstätte bauen. In gewohnt guter Art wurden die Aufgaben erledigt und als ich mit Kristina und Cora unseren „Palast errichtet hatte, war auch schon das Essen auf dem Lagerfeuer am Strand am köcheln. Hervorragend! Natürlich durfte Michels Gitarre nicht fehlen und wir hörten diesen Abend ein paar Klänge zu den Geräuschen von Feuer und Meer. Und natürlich durfte das obligatorische Sternengucken nicht fehlen. Die anschließende Nacht war zwar kälter, aber dafür trocken und mit genügend Platz für alle!

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Tag 6 | 13.10.2007
An diesem Tag stand eine Entscheidung an: Da wir erst ein Drittel der beabsichtigten Entfernung zurück gelegt hatten, aber ein AusweichAufnahmePunkt direkt in der Nähe lag, musste entschieden werden ob wir heute überhaupt noch in See stechen. Nach den Erfahrungen der letzen Tage und dem immer ungünstiger stehenden Wind hielt sich die Begeisterung für das Weitersegeln eher in Grenzen. Und ein vielleicht nicht umentscheidender Punkt war der Fakt, dass wir gestern bereits den Mast und das Rigg zum Feuer machen verwendet hatten! Also, einen Tag paddeln oder die Expedition auf dem Fest fortsetzen? Wir entschlossen uns zu letzterer Variante.

Um den Prinzipien der Thor Heyerdahl treu zu bleiben wollten wir unser Abenteuer auf dem Land fortsetzen. Dabei machten wir uns zu einer Erkundung der Insel auf. Natürlich durfte dabei eine ordentliche Karte nicht fehlen, die von uns mit Hilfe von Karte und Kompass erstellt wurde. Ebenso machten wir eine geologische Strandwanderung, bei der ich hilfreich sein konnte, da ich ja noch Kenntnisse von meinem Urlaub auf Fehmarn hatte. So sammelten und identifizierten wir die verschiedensten Gesteinsarten am Strand. Natürlich durfte auch ein ordentliches Mahl zur Mittagszeit nicht fehlen. Somit konnten wir den Tag lehrreich und mit wirklich guten Gesprächen nutzen. Gegen Nachmittag beluden wir unser Schlauchboot -das mittlerweile „der Korken“ hieß- um uns für die Aufnahme durch die Thor vorzubereiten. Doch bevor wir erneut in See stachen wurden noch die wichtigen Dinge des Lebens erledigt, bevor es wieder in die Enge des Schiffes gehen sollte. Ich sage nur: Operation Klappspaten 2!

Gegen Nachmittag machte die Thor in einer Bucht nur unweit unseres Lagerplatzes fest und wir konnten mit ein wenig paddeln zurück an Bord gehen. Nach dem Ausladen und verstauen der Ausrüstung sollte eine erfahrungsreiche Zeit vorbei gehen und der Dienst auf der Thor wieder beginnen. Natürlich waren die warmen Duschen nicht zu verachten! Schließlich sollten noch fünf Tage vor uns liegen.

Ein Kommentar

  • Dominik

    Und noch zu erwähnen wäre, wie klasse das mit dem paddeln geklappt hat. Wenn man an die ganzen Dreher beim Run & Dip zurückdenkt!

    Sägen gab es doch an Bord nicht, oder? Wir hatten uns doch beim Fotos gucken gefragt, wie die anderen an so gerades Holz gekommen sind. Vielleicht war das schon der erste Ausflug in die Zivilisation?

    Und wer mit Gaskochern kochen möchte, sollte Zeit mitbringen. Eine von einigen Lektionen die man gelernt hat…
    Vielen Dank an dieser Stelle an unsere Köchinnen (und Köche?). Besser hätte man auf so einer Expi nicht essen können und das höchste aller Gefühle war ja wohl der warme Kakao am Morgen! Da war ja jede schlechte Laune aufgrund einer nicht so tollen Nacht sofort verflogen!

    Ja Yvonne und Johanna haben den Schnitt gehoben. Vergiss nicht Kristina die trotz dem total nassen Schlafsack auch gut geschlafen hat. Aber es sei ihnen natürlich gegönnt.

    „Heute wird nicht mehr gegeizt, heute wird das Rig verheizt!“