Aug 23 2006

Onlineanmeldung zum Scheitern verurteilt?

Autor: . Abgelegt unter Universität

Ich habe heute eine Mail bekommen, die ber den allgemeinen Verteiler meiner Uni ging. Ein Teil der langen Mail lautete:

Erlauben Sie mir einige persnliche (!) Anmerkungen:Die Organisation und Durchfhrung des Online-Vergabeverfahren kostet viel Arbeitszeit. Aufgrund des oben beschriebenen Nutzungsverhaltens seitens vieler Studierender kann man eigentlich nicht empfehlen, in dieses Verfahren noch mehr Energie zu investieren. Im Gegenteil: Die Zahl der Studierenden, die so rcksichtslos ihre Seminare buchen, ist sehr hoch. Sie verschwenden Arbeitszeit und Ressourcen der Fakultt und behindern andere Studierende, ihr Studium strungsfrei und zgig fortzufhren. In Zeiten von Studiengebhren ist dieser Egoismus verstndlich, aber extrem kontraproduktiv!
Da stellt man sich schnell z.B. die folgenden Fragen:
Wird die Zuverlssigkeit der Anmeldungen vielleicht besser, wenn die Studierenden persnlich zur Anmeldung erscheinen mssen und in einer langen Schlange auf ein Anmeldegesprch warten mssen?
Htten die beteiligten KollegInnen die bisher aufgebrachte Energie fr die Anmeldung ber das eKVV lieber in Forschung, Vorbereitung der Lehrveranstaltungen und die persnliche Qualifikation investieren sollen?

Der dazugehrige Hintergrund:
In der Fakultt fr Pdagogik wurde seit einigen Semestern ein „Online-Vergabeverfahren“ eingefhrt. Frher ist man als Student einfach in den ersten Wochen zu seinen Seminaren gegangen und hat geschaut ob einem Dozent und Thema zusagen. Wenn Seminare gleichzeitig lagen, hat man sich beide angeschaut und sich dann entschieden. Das Anmeldeverfahren mchte aber, dass man zu Beginn der vorlesungsfreien Zeit, seine Kurse aus dem Vorlesungsverzeichnis whlt. Das Ganze nur anhand eines Dreizeilers der den Kurs beschreiben soll. Bei teilnehmerbegrenzten Seminaren muss man sich ber diese Methode anmelden um berhaupt einen Platz zu bekommen. Ziel des Verfahrens ist es, die Wnsche der Studierenden besser zu bercksichtigen und die Raumsituation besser zu planen.
Und was ist aus der Idee geworden? Nichts brauchbares! Und warum?
Gute Frage. Ich kann da nur aus meiner Perspektive sprechen: Wenn man sich anmelden muss um Pltze zu bekommen, dann tue ich genau das – ich melde mich an. Und das reichlich. Wo ich mir vorher „von Hand“ die Kurse angesehen habe, da melde ich mich heute einfach berall an. Ich kann ja eh nicht abschtzen in welche Kurse ich „eingeteilt“ werde. Und was mache ich wenn ich einen Kurs nicht bekomme? Ich brauche Ersatz! Und den buche ich doch vorher schon.
Gerade in Zeiten von StudienGebhren knnen sich die meisten Studierenden nicht leisten ein Semester zu verschwenden weil sie einen Kurs nicht bekommen haben.
Und zustzlich kommt da noch der soziale Aspekt zum tragen: Was interessieren mich die anderen Studierenden, wenn ich meine Kurse nicht bekomme? In einer Gesellschaft die immer mehr auf Wettkampf und Eigennutz trainiert wird braucht man sich doch nicht wundern, oder?
Und das sich die Verantwortlichen persnlich belastet fhlen (siehe oben) wundert mich nicht. Aber da habe ich kein Mitleid. Schlielich hat mich auch Niemand gefragt, als dieses System eingefhrt worden ist. Und die Suppe die man sich einbrockt, muss man bekanntlich auch meist selber auslffeln. Aus diesem Grund finde ich die gemachten Drohungen – und nichts anderes sind die beschriebenen Manahmen – vllig lcherlich.
Aber anstatt nur Kritik zu uern mchte ich natrlich etwas zum Thema beitragen:
Wie wre es mit einem KombiModell: Die Online-Anmeldung als „StimmungsBarometer“, damit man im Vorfeld schon einschtzen kann welche Kurse von besonderem Interesse sind. Dies kann aber nur als Anhaltspunkt dienen. Um die Raumvergabe gezielt zu steuern, knnte einfach in der dritten Woche eine Rckmeldung der Dozenten gefordert werden. Aus Erfahrung kann ich behaupten, dass man dann sehr gut abschtzen kann wie viel Studierende im Kurs sind. Danach knnte man den PC mal ne Nacht rauchen lassen und fr die vierte Woche eine neue Raumverteilung ausspucken.
Und was die Vergabe von begrenzten Seminaren angeht, wrde ich das ganz einfach wieder in die Hnde der Dozenten legen. Das hat lange Zeit gut funktioniert und fordert ein wenig mehr „persnliches Profil“. Man meldet sich halt weniger schnell an wenn man den Dozenten ansprechen muss. Das drfte einige Karteileichen entfernen.
Ich verstehe aber wirklich nicht warum am jetzigen System, mit dem anscheinend Studierende und Dozenten nicht zufrieden sind, so tapfer festgehalten wird?

Ein Kommentar

  • Das System kenne ich, das System hasse ich.

    Zur Einfhrung wusste eine Freundin von uns nicht das ein Seminar, welches sie besuchen wollte „anmeldungspftichtig“ war und sie dementsprechend auch nicht rein konnte.

    Schade nur, dass sie diesen, und zwar nur diesen Schein noch brauchte um endlich das Studentendasein zu beenden.

    Ich wei noch genau, was das damals zur Scherereien und ewige Diskussionen waren, bis sie dann endlich dennoch rein konnte und so nicht ein Semester „abbummeln“ musste.