Apr 07 2006

Gewalt an Schulen – ein anderer Blickwinkel

Viele Deutsche habe einen Blickwinkel der hufig sehr eingeschrnkt und oft medienabhngig ist. Gerade bei der aktuellen Diskussion um die Gewalt an Schule wird dies wieder deutlich.

Ich habe gerade auf einem befreundeten Blog einen Eintrag ber die Gewalt an Schulen gelesen. Eigentlich wollte ich einen Kommentar schreiben, habe aber wieder ganz schnell gemerkt das ich mit ein paar Zeilen nicht hinkommen werde.

Wir alle haben doch Verstndnis fr die Lehrer die den Hilferuf gestartet haben, die mehr als 50% der Schler in den verschiedenen Klassen fr unbeschulbar halten.

Und genau in diesem Satz liegt der fundamentale Unterschied zu meinen Ansichten. Eigentlich liegt es in dem Wort „unbeschulbar“. Dieses Wort drckt recht gut aus, was viele Bundesbrger unter Schule verstehen. Eine Institution in die man Kinder hinein tut und am Ende den Bildungsbrger herausbekommt. Und wenn der Unterricht nicht ausreicht, macht man einfach noch mehr Unterricht. Wer irgendwann einmal Watzlawick gelesen hat wird ihr das Prinzip des „mehr des Gleichen“ wiederfinden. Und dies hilft ja bekanntlicher Weise nicht.

Ich meine die von Stoiber vorgeschlagende 150 stndliche Sprachfrderung, pdagogische Betreuung und konkretes Handeln, zugeschnitten auf die jeweilige soziale Situation an den Schulen wrden doch schon ein sehr guter Anfang sein. Der richtige und ein wichtiger Schritt zur Integration, oder?

Und genau dabei handelt es sich um dieses Prinzip. Und es gibt sogar sehr gute Indizien dafr das diese Vermehrung von Unterricht wenig bringt. In Frankreich kam es vor nicht langer Zeit zu Ausschreitungen in den Vorstdten. Viele Jugendliche, meist mit Migrationshintergrund, haben randaliert. Und wisst ihr welche Sprache diese Migranten sprachen? Fast ausschlielich perfektes Franzsisch. Bezieht man diese Erkenntnis auf Deutschland, dann wird Sprachfrderung vielleicht etwas ausmachen, aber nur wenig.

Ohne entsprechende Sprachkenntnisse sind Schulabschluss und die spter wohl mehr erhoffte als verdiente Lehrstelle bedroht. Es folgt die Arbeitslosigkeit und zwangsweise, wenn noch weiter mglich, der soziale Abstieg. Der Staat msste sehr viel Geld fr die Arbeitslosigkeit solcher Menschen ausgeben. Und, wir wollen es nicht verschweigen, kosten kriminelle den Staat Unsummen. Wieso den Menschen nicht eine Grundlage anbieten? Wer dann immer noch nicht will, der ist selber Schuld und gilt wohl als nicht integrationswillig.

Selber Schuld?!? Mh. Wenn du in einer schlechten Wohnung lebst, dir extrem wenig Geld zur Verfgung steht, und deine Chance Arbeit zu finden um diese Situation zu verbessern extrem schlecht sind; wie wrdest du dich fhlen?
Und bitte: Bei 5 Mio. Arbeitslosen, und stetig zurckgehendem Bedarf an Arbeitskrften fr einfache Ttigkeiten, sagt nicht: Wer arbeiten will findet schon etwas.

Ich sehe in deutlichen Anstzen das Problem, das viele Deutsche nicht auf Ihre berzeugungen, ihre Kultur und Werte bestehen. Ich meine, wenn ein Mensch alles ablehnt, was diese deutsche Gesellschaft ausmacht, dann kann dieser nur sehr schwer bis garnicht in dieser Leben oder akzeptiert werden.

Und auch hier wird es wieder spannend: Was sind den die Werte und Normen der deutschen Kultur?
Oder ist es nicht so, dass genau darin ein stetiger Wandel liegt? Einen Wandel den man beeinflussen aber nicht aufhalten kann. Und auch garnicht sollte. Ich erkenne nmlich keine klassisch deutschen Werte mehr, wenn ich mir unsere Jugendkultur ansehe.
Auerdem wre es doch grausam wenn mein Lieblings-Chinese oder die DnerBude um die Ecke zumachen wrde, oder? Vielleicht ist das ein wenig berspitzt, aber mit der stetig steigenden Globalisierung entstehen auch die Mglichkeiten andere Kulturen kennenzulernen. Und sich daran zu wandeln.

Aus diesem Grund kann ich nur warnen diese Vorflle aus nur einer Perspektive zu sehen. Meiner Meinung nach ist es wichtig Perspektiven zu schaffen. Eine Gesellschaft in der die Schere zwischen „Verlieren“ und „Gewinnern“ immer weiter auseinander geht, kann auf Dauer keinen friedlichen Bestand haben. Und bei diesen „Verlierern“ ist es vllig egal woher sie kommen, welche Hautfarbe sie haben oder welcher Religion sie angehren. Immer dann wenn Andere bermig „mehr“ haben, ist ein Konflikt vorprogrammiert.

6 Kommentare

  • ich habe nichts gegen fremde kulturen wenn sie sich in ihrer neuen wahl-kultur einfgen! ich esse pizza von italiener, dner vom trken, ente beim chinesen, habe einen iranischen frisr … alle vollstndig integriert. sie zahlen steuern, arbeiten hart, sind freundlich und fhlen sich in deutschland wohl.

  • achja, wieso sollte man sich denn unbedingt an fremden kulturen wandeln? wieso soll es mir nicht erlaubt sein meine kultur so zu erhalten wie sie ist? wenn ich fremde kulturen kennenlernen will, fahre ich ins ausland oder mache eine bildungsreise. oder sehe ich da was grundlegend falsch?

  • Dir selber steht es auch frei deine Kultur so auszuleben wie du gerne mchtest, und jedem anderen auch. Daher sehe ich auch Deutschland nicht als eine Kultur. Es ist Land in dem Religionfreiheit und Meinungsfreiheit bestehen. Eine Moschee ist nur einige Strae von hier entfernt, und eine Jdische Synagoge ist auch mit dem Bus zu erreichen. Wir leben nicht in einem isolierten Land, die anderen Kulturen sind schon lngst hier.
    Aber wen du den Dner vom Trken it, die ente beim Chinesen und den Iranischen Friseuer hast, warum willst du dann ins Ausland um etwas ber die Kulturen erfahren die schon lngst hier leben…

  • wenn das hier zu provokant ist, dann lsche das bitte, aber ich mu wohl etwas deutlicher werden:
    wenn ich mrgen zu meinem dnermann gehen wrde, mir einen leckeren dner kaufen wrde, mich nett mit dem verkufer unterhalten wrde, und dann drber nachdenken wrde, wrde ich mich wohl freuen das dieser mann seine dnerbude aufgemacht hat, sich fr die gesellschaft einbringt (durch steuern etc.), aber wenn dieser dnermann morgen seine tochter erschieen wrde nur weil sie einen deutschen christen liebt, dann wrde mir das dnerfleisch aber wieder hochkommen. – was ich damit sagen will, ich habe absolut nichts gegen zivilisierte menschen, die vielleicht ihre kultur bewahren, aber auch die kultur deutschlands anerkennen und mit der gesellschaft leben und sich integrieren. deutschlands werte und normen anerkennen. mit uns deutschen leben, deutsche werden. denn immerhin wollen sie ja hier wohnen, und ich kann sie verstehen, deutschland ist ein groartiges land. brigens, das das mit dem ehrenmord keine alltgliche sache ist, wei ich selber, aber solche dinge passieren nunmal, und das sind so sachen die mir nicht passen.

  • Wem wrde da nicht der Dner hochkommen wen mir der Verkufer im Plauderton erwhnt das er seine Tochter erschossen hat ? Das hat jeder fr verstndnis. Aber was ich mich dabei immer frage ist das, wen es keine Alltgliche Sache ist, warum wird es dann immer wieder als Beispiel genommen ? Und das es Dumme Menschen gibt, das ich nichts neues, aber das ist keine Frage der Kultur sondern betrifft leider alle Menschen.
    Und wen du schreibst, das sie passieren, wren Fakten etwas wunderbares. Das ist es auch was Dennis meinte, die Medien liefern uns immer Teilaspekte, im Sinne einer groen Schlagzeile, ich denke aber schon das es etwas schwieriger ist. Die Sprache ist nicht das Problem. Auch nicht Kultur. Menschen reagieren mit Verstndnis wen sie welches bekommen und ernst genommen werden. Aber dies ist eben die Sache, in Neu-Kln leben grtenteils Soziale Randgruppe, die einfach wenig chancen haben einen Job bekommen. Wie wrdest du dich in einer Gesellschaft fhlen, in der die vllig klar ist das nach deinem Abschlu, es keine Arbeit fr dich geben wird. Die Menschen die dich umgeben haben jetzt schon keine Arbeit, und jeden Tag reden sie darber das nichts haben und sich wohl auch nichts ndern wird.
    Wer wrde da nicht frustriert reagieren, wer knnte nicht verstehen das ein ganzer Stadtteil introvertiert ist. Sie von da draussen nichts wissen mchten.
    Versteh das nicht falsch, fr Gewalt habe ich kein Verstndnis, aber Deutschkurse, Taschendurchsuchungen, usw., sind einfach nur methoden die Sympthome zu bekmpfen, aber die eigentlich Lsung ist es nicht. Natrlich sollen die, die hier Leben mchten unsere Sprache sprechen, das hat schon einfach praktische Grnde, aber die Schler sprechen schon Deutsch. Aber ich glaube wir fhlen uns beruhigt wen man uns sowas sagt.
    Das war so wie in Erfurt. Schler dreht durch, es kommt raus das er Counterstrike spielt, Spiel wird verboten. Sicher, wen einer sowas spielt kann er nur durchdrehen. Lsung gefunden, alle Glcklich. Da kann auch mal ausgeblendet werden, das er keine Freunde hatte, niemand der ihm zughrt hat, er keine Abschlu hatte und auch wohl keine Arbeit finde wrde.
    Aber wen die Schlagzeilen so gro sind mu halt das kleingedruckte darunter leiden…

  • eva

    Ich mu Dennis und Bjrn zustimmen. Die Politik macht es sich sehr einfach, wenn sie behauptet, dass durch sprachliche Frdermanahmen die Integration gefrdert und Gewalt und schlechte soziale Lebenssituationen verbessert werden knnten. Und vielleicht sollte die Politik nicht bei den Mitbrgern mit Migrationshintergrund anfangen, sondern eher bei den „deutschen“ Mitbrgern. Denn ich glaube, viele Menschen aus anderen Nationen, die hier in Deutschland leben stoen oft auf Vorurteile und Ablehnung. Und da scheitert es doch schon an der Integration. Dann wrde ich mich als nicht deutschstmmiger auch nicht wohl fhlen und auf alles „scheien“. Dann wrde ich auch lieber in meiner Diaspora bleiben in der ich mich sicher fhle und alle die gleichen Ansichten haben, weil alle den gleichen kulturellen Hintergrund haben und sich in der gleichen sozialen Situation befinden. Den Jugendlichen fehlt die Zukunftsperspektive und ich glaube nicht, dass Sprachfrderung das ndern wird. Den Politikern fehlt grten teils die Nhe zu den betroffenen. Die sitzen in ihren Ministerien und berlegen sich was man so machen knnte, aber ich glaube nicht, dass sie sich ernsthaft mit den Problemen der Jugendlichen in den sozialen Kriesengebieten auseinandersetzten. Bestes Beispiel Stoiber. Ich glaub, der hat seinen Lebtag noch nie wirklich darber ernsthaft nachgedacht woher die Resignation der Jugentlichen mit Migrationshintergrund kommt. Fr den war ganz klar, dass es nur an der fehlenden Sprachfrderung liegen kann. Ist ja auch ganz einfach. Bessere Deutschkenntnisse = bessere Zukunftschancen. Ja, ne ist klar.
    Und wegen dem Beispiel mit dem Besitzer einer Dneria. Ok, wenn der Besitzer mir sowas erzhlen wrde, dann wrde ich da auch nicht mehr hingehen. Aber dann gehe ich zu einer anderen Dneria. Aber das wrde ich auch machen, wenn mir mein deutscher Getrnkehndler erzhlen wrde, dass er seine Kinder umgebracht hat.
    Ihr geht doch auch weiterhin zu McDonalds, obwohl die Amerikaner berall auf der Welt aus irgendwelchen idiologischen Grnden und Grnden der Geldgier Menschen tten und Lndern versuchen westliche Werte aufzuzwngen.